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Mittelalter

 

Otto II. und Theophanu von Christus gesegnet

Mittelalterliches Köln

Zur Zeit der Ottonen, als die Romanik als erste weitgehend eigenständige deutsche Kunstepoche Gestalt annahm, erlebte Köln seine frühe mittelalterliche Blütezeit. Aber bereits seit Karl dem Großen, der das Erzbistum Köln begründete, hatte sich die Stadt zu einem der einflußreichsten kulturellen, politischen und auch wirtschaftlichen Zentren des Heiligen Römischen Reiches entwickelt.

Bis zu Beginn des 6. Jahrhunderts war Köln das Zentrum des fränkischen Teilkönigreichs der »Ripuarier«, das schließlich im Frankenreich Chlodwigs I. aufging. Chlodwig soll der Überlieferung nach in Köln zum König aller Franken ausgerufen worden sein. In der Stadt lebte noch lange Zeit ein buntes Gemisch aus Franken und Römern mit unterschiedlichen Religionen, wobei beide Bevölkerungsteile sich zunehmend vermischten und die Christianisierung des Reiches nach der Taufe Chlodwigs auch Köln erfasste.
Die Franken übernahmen kulturelle Errungenschaften der römischen Stadtbevölkerung, beispielsweise in Bautechnik oder Glasherstellung, und nutzten die von den Römern erbaute Infrastruktur. Das Praetorium etwa wurde in dieser Zeit als Königssitz verwendet. Als die Zeit der Merowinger zu Ende ging war Köln Residenzstadt. Der Bischof bzw. Erzbischof von Köln war bald darauf eine der bedeutendsten Personen im Reich.

Die karolingischen Hausmeier nutzten Streitigkeiten in der Königsfamilie dazu, die Macht im Reich an sich zu ziehen. Die endgültige Machtübernahme der Karolinger im Frankenreich durch Pippin den Jüngeren751 bedeutete das Ende der Merowingerherrschaft in Franken und für Köln das Ende seiner Rolle als Königssitz. Die Karolinger machten das benachbarte Aachen zu ihrer Residenz.

Die Karolinger in Köln

Während der Sachsenkriege unter Karl dem Großen gewann Köln sowohl politisch als auch kulturell wieder an Einfluss. Dies war unter anderem auf den ersten karolingischen Bischof in Köln, Hildegar, zurückzuführen, der um753 bei einer Schlacht gegen die Sachsen bei der Iburg getötet wurde. Köln verehrte seit dieser Zeit viele christliche Märtyrer, sammelte deren Reliquien in wertvollen Schreinen und baute für sie viele Kirchen.

795

wurde Köln Erzbischofssitz, zum ersten Kölner Erzbischof ernannte Karl der Große Hildebold.

873 wurde der Vorläufer des heutigen Kölner Doms, der so genannte »Alte Dom« geweiht. In den Streitigkeiten um die Teilung des Reichs Karls des Großen fiel Köln876 schließlich an das ostfränkische Reich König Ludwigs des Deutschen. Durch die innerfränkischen Kämpfe wurde das Reich nach außen derart geschwächt, dass im Winter881/882

die Normannen auf ihren Kriegszügen bis Köln und Bonn vordringen konnten. Sie plünderten und brandschatzten die Städte, und in Köln blieben nur der Dom und die Kirchen St. Severin und St. Gereon erhalten, alle anderen Gebäude und Kirchen sowie die Stadtmauer brannten nieder.




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Reste der Mikwe

 

 

Köln um 1499

Köln im Hochmittelalter

Erzbischof Brun, der Bruder des späteren Kaisers Otto I., war 953 zum geistlichen Oberhaupt von Köln gewählt worden und wurde von Otto I. außerdem nach der Niederschlagung eines Aufstands in Lothringen auch zu dessem weltlichen Fürsten ernannt. Dies markierte den Beginn der erzbischöflichen Macht über Köln, die bis zur Schlacht von Worringen im Jahr 1288 andauerte. Unter Bruns Herrschaft wurden mehrere Stifte und Klöster gegründet und die Rheinvorstadt außerhalb der Stadtmauern wurde in die Stadt eingegliedert.

Die Verbindungen der Rheinmetropole, besonders ihrer Kirchenfürsten, zum sächsischen Kaiserhaus und zum Stammland der Ottonen im heutigen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt waren eng und vielfältig. Unübersehbares Zeichen für diese Nähe ist die Grabstätte der Kaiserin Theophanu, der Gemahlin Ottos II., einer hochgebildeten, auch politisch aktiven und einflussreichen byzantinischen Prinzessin, die zahlreiche Künstler und Gelehrte aus der griechisch-römischen Metropole am Bosporus nach Deutschland mitbrachte.
Sie blieb auch als Kaiserin Köln stets in besonderer Weise verbunden und wurde auf eigenen Wunsch in der romanischen Kirche St. Pantaleon bestattet. Die Folgen dieses theologischen und künstlerischen Kulturaustausches, besonders für Köln, waren mannigfaltig und können zum Teil bis heute besichtigt werden.

Um1140 lebten rund 20.000 Menschen in Köln und war damit im Hochmittelalter die größte Stadt Deutschlands, so dass wiederholt Erweiterungen der Stadtbefestigungen nötig wurden. Ab dem Jahre1180 wurde die damals weiträumigste Stadtmauer Deutschlands mit zwölf Toren und 52 Mauertürmen in der Ringmauer und mehr als 16 Toren und Pforten in der Rheinmauer gebaut und etwa1225 fertig gestellt. Sie war gewaltiger als die fast zur gleichen Zeit errichtete Stadtmauer von Paris. Von den zwölf Toren sind heute noch das Eigelsteintor, das Hahnentor am Rudolfplatz, das Severinstor und die Ulrepforte erhalten.

Im 12. Jahrhundert führte die Stadt neben Jerusalem, Konstantinopel und Rom die Bezeichnung Sancta im Stadtnamen: »Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia«, zu deutsch »Heiliges Köln von Gottes Gnaden, der römischen Kirche getreue Tochter«. Aus dieser Zeit stammt das Wort vom »Heiligen Köln«. Um den in der Stadt gesammelten Reliquien ein angemessenes Zuhause zu geben, wurde der Bau eines neuen Gotteshauses in Angriff genommen: Die Grundsteinlegung des Kölner Domes erfolgte1248.
Aber auch die jüdische Gemeinde der Stadt florierte in dieser Zeit. Ausdruck hierfür sind der Bau der ersten Kölner Synagoge 1040 und der Neubau der Mikwe1170, dem Ritualbad, das noch heute besichtigt werden kann. Erzbischof Engelbert II. sicherte zudem den Juden der Stadt1266 seinen besonderen Schutz zu.

Freie Reichsstadt

1216 wurde erstmals der Rat der Stadt Köln gewählt. Am 7. Mai 1259 erhielt Köln das Stapelrecht, das den Kölner Bürgern ein Vorkaufsrecht aller auf dem Rhein transportierten Waren sicherte. Die jahrelangen Kämpfe der Kölner Erzbischöfe mit den wohlhabenen Bürgern der Stadt endeten 1288 vorläufig durch die Schlacht bei Worringen, bei der das Heer des Erzbischofs gegen das des Grafen von Berg und der Kölner Bürger unterlag. Fortan gehörte die Stadt nicht mehr zum Erzstift und der Erzbischof durfte sie nur noch zu religiösen Handlungen betreten. Offiziell wurde Köln allerdings erst 1475 zur Freien Reichsstadt erhoben.

1388 gründet die Kölner Bürgerschaft die Kölner Universität. Die Universität zu Köln ist nach Prag, Wien und Heidelberg die vierte Universitätsgründung im Heiligen Römischen Reich.
Im Jahr 1396 endet die Patrizierherrschaft in Köln endgültig. An ihre Stelle tritt eine ständische Verfassung, die sich auf die Organisation der Gaffeln, den entmachteten Patriziern, Ämter, Zünften und Einzelpersonen, stützt. Gerlach von Hauwe schrieb den so genannten Verbundbrief, der die Organisation des Stadtrates regelte. Der Verbundbrief blieb bis zum Ende der Freien Reichsstadt 1794 in Kraft.
Kaiser Friedrich III. bestätigte 1475 offiziell den seit 1288 praktisch bestehenden Status als Freie Reichsstadt.

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